VON ANDREA MÖLLER
08.06.2018

Das Foto zeigt den Inhaber Chikei Yung. Andrea Möller/FNP

Das Foto zeigt den Inhaber Chikei Yung. Andrea Möller/FNP

Das Reich der Mitte liegt mitten in Alt-Sachsenhausen. Diesen Eindruck gewinnen Asienfans zumindest, wenn sie das „Yung China Restaurant“ betreten. Das Lokal in der Großen Rittergasse hat sich auf Gerichte spezialisiert, wie sie im Süden des asiatischen Landes üblich sind. Damit bildet es zwischen all den Apfelweinkneipen eine willkommene Abwechslung. Wobei sich das berühmt-berüchtigte Image des Ausgehreviers ohnehin langsam wandelt. Zum positiveren Bild trägt der Freitagsmarkt auf dem Paradiesplatz genauso bei wie etwa das Gästehaus und Hotel „Libertine Lindenberg“ in der Frankensteiner Straße.

Andrea Möller Foto: Salome Roessler

Andrea Möller Foto: Salome Roessler

Nur wenige Schritte von diesem Hotel entfernt, befindet sich Chikei Yungs neues Restaurant – das allerdings über eine jahrzehntelange Geschichte verfügt. Schließlich ist es aus dem gleichnamigen Lokal hervorgegangen, das seine Eltern 1988 in der Hügelstraße eröffnet hatten. „Unsere Wurzeln liegen jedoch im Oeder Weg“, erzählt der Gastronom. „Dort sind mein Vater und meine Mutter mit ihrem ersten Restaurant gestartet.“

Und dort haben Chikei und seine Geschwister auch den Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Die Schule war kaum aus, als sie schon in der Küche standen, um Gemüse zu schneiden und damit Dim Sum zu füllen. „Es ist eine schwere Zeit gewesen, weshalb die ganze Familie helfen musste, damit wir über die Runden kamen“, so Yung. Allerdings habe er dabei auch viel gelernt. Seinen Vater, dessen Dim Sums in und um Frankfurt bekannt waren, beschreibt er als strengen, aber fairen Lehrer. 1999 ist er, nunmehr im zweiten Restaurant, ganz in die Fußstapfen von „Meister Yung“ getreten. 2018 hat er die Türen geschlossen, weil der Eigentümer eine so hohe Miete verlangte, dass sich der Betrieb nicht länger rentierte.

Der Neustart in Alt-Sachsenhausen ist ihm mit der Hilfe von Geschäftspartner und Multi-Gastronom Lior Ehrlich gelungen. Dieser stellte ihm auch die Räume der einstigen „Trattoria Amici“ zur Verfügung. Daraus machten die Kompagnons einen „coolen Chinesen, denn so etwas hat in Frankfurt noch gefehlt“, sagt Yung. Fragt sich, wie das Lokal inzwischen aussieht?

Die Wände und die Möbel sind in schwarz, beziehungsweise schwarz und grau gehalten. Das klingt zwar düster – ist es aber nicht. Vor diesem Hintergrund wirken die bunten Lampions, die sich zahlreich an der gesamten Decke verteilen, besonders fröhlich. Ein Eindruck, den die roten Tischläufer und goldenen Glückskatzen noch verstärken. Letztere scheinen die Gäste winkend zu begrüßen, die im neuen Lokal viel jünger sind als im vorigen Betrieb.

„Ein Teil unseres früheren Stammpublikums ist auch schon vorbeigekommen“, freut sich Yung. Doch junge Gäste seien wichtig für die Zukunft. Damit diese sich gut aufgehoben fühlen, hat Yung seine Kinder gefragt, was sie denn cool finden. Die Antwort: hausgemachte Limonaden und Eistees. Prompt stehen derer nun gleich zehn auf der Karte. Das überraschend große Getränkesortiment hält außerdem Cocktails und Longdrinks mit Sake bereit – und zwar mit gutem Sake.

Ohnehin betont Yung, dass er auf Qualität achtet und das Rindfleisch vom Frankfurter Erlenhof bezieht, wo artgerechte Haltung eine große Rolle spiele. Es landet neben Hühner- und Krabbenfleisch in vielen Dim Sum: von Baozi über Jiaozi bis Shaomei (alle ab 5 Euro). Dabei handelt es sich um die gedämpften Appetithäppchen, die traditionell im Bambuskörbchen serviert werden.

Was den Spaniern die Tapas, sind den Hongkong-Chinesen die Dim Sum: Und Yung, der aus eben dieser Millionenmetropole stammt, bildet da keine Ausnahme. An seinen „Kristall Jiaozi“ aus leicht glasigem Reismehlteig mit Krabbenfüllung lässt sich, dampfend und würzig wie sie sind, nicht der kleinste Fehler finden (6 Euro). Gleiches gilt für die vegetarischen Frühlingsröllchen, die außen knusprig und innen knackig mit Möhren und Weißkohl daherkommen (4 Euro).

Das anschließend empfohlene „Orange Chicken“ ist ebenfalls eine gute Wahl: Frittiertes Hühnerfleisch sowie gekonnt gegarte Zwiebeln und Paprika sind von einer Soße benetzt, die aus Orangensaft, Essig, Zucker, Sojasoße, Knoblauch und Ingwer besteht (14,80 Euro). Dieses Gericht schmeckt nach einem zweiten Besuch im „Yung China Restaurant“. Zumal auch die krosse und trotzdem nicht trockene Ente auf Chopsuey-Gemüse mit aromatischer Erdnusssoße wirklich kaum besser hätte schmecken können (16 Euro).

Apropos: Die vom Inhaber am Nachbartisch meisterhaft tranchierte Peking-Ente (ab 36 Euro) genießen wir beim nächsten Mal – am liebsten auf der schönen Sommerterrasse mit ihren vielen exotischen Bambuspflanzen.

Yung China Restaurant & Bar

Alt-Sachsenhausen, Große Rittergasse 53-59, Tel. (069) 51 56 51, www.china
yung.de, Di–Do 17–24, Fr–Sa 17–3, So 12–22 Uhr, Mo Ruhetag, Sitzplätze: 90 innen/60 außen, Küche: südchinesisch

ANDREA MÖLLER