Frankfurt geht aus! 2008 Seite 256f

Yunges Glück

Unser sympathischer chinesischer Gastgeber ist selbstverständlich stets bemüht, mehr Essen aufzutragen, als seine Gäste verspeisen können. Bliebe nichts mehr übrig, wäre das nämlich für ihn eine Blamage und er verlöre sein Gesicht, denn es gehört in China zu den Pflichten des Bewirters, für ausreichend Gerichte auf dem Tisch zu sorgen, damit seine Gäste nicht Hunger leiden müssen. Im China-Restaurant Yung machen wir uns darüber keinerlei Sorgen, denn es ist Dienstag. Und das heißt im Restaurant Yung: Essen, bis die Enten tanzen, auf neudeutsch: All you can eat. Unseren verblüfften und von Hunger getrübten Augen eröffnet sich ein langer Buffet-Tisch mit allem, was die vielfältigen Küchen Chinas zu bieten haben. Für 13,90 € geht es hier kulinarisch die Speisekarte einmal rauf und wieder runter. Einer der sehr freundlichen Kellner kommt sofort herbeigeeilt, um uns das heutige Aufgebot zu erklären, von den Vorspeisen, über Fleisch und Fischgerichte, Saucen bis hin zum großzügigen Nachspeisenangebot. Wir steigen heute mit krossen, vegetarischen Mini-Frühlingsröllchen ein und machen uns anschließend an die hausgemachten Dim-Sum im zierlichen Bambuskörbchen. Die gedämpften Hefeteigtäschchen sind mit herzhaftem Schweinebraten gefüllt und schmecken angenehm würzig. Nach diesem bekömmlichen und schmackhaften Einstieg gönnen wir uns eine kurze Verschnaufpause und bewundern die prachtvollen chinesischen Holzschnitzereien und die farbenprächtigen Motive an den Decken und Wänden. Besonders angenehm im Yung ist die deutlich wahrnehmbare Trennung zwischen Nichtraucher- und Raucherbereich. Auch Kinder haben es hier richtig gut: Für den Nachwuchs gibt es eine extra Speisekarte, und an Donnerstagen essen die kleinen Lieblinge hier sogar gratis! Nun gehen wir über zu den gebratenen Saté Spießen und probieren die dazu Obligatorische Erdnuss-Sauce. Diese ist schmackhaft-sämig und wertet die bedauerlicherweise etwas zu trocken geratenen Hühnerfleisch stücke auf. Die Entenfilets nach Kanton-Art mit Gemüse (13,80€), überziehen wir mit reichlich pikanter Pflaumensauce. Die Ente ist zartknusprig, kaum fett und perfekt gepaart mit der dickflüssigen süßsauren Sauce. Wir sind unterdessen vollkommen satt, zufrieden und mächtig ins Schwitzen gekommen, denn das dampfende Buffet verwandelt leider auch das komplette Restaurant in eine Saunaähnliche Landschaft, was angesichts der zunehmenden Entwicklung des Klimas die Kleiderordnung gehörig durcheinanderwirbeln dürfte. Wir lassen uns davon jedoch den Appetit nicht nehmen und verwöhnen uns mit landestypischen Nachspeisen der besonderen Art. Das Kokosnuss Gelee ist angenehm erfrischend, der Ananas im Kokosmantel hätte ein wenig mehr Honig aber ohne Zweifel gut getan. Eine kühlende Kugel Eis dazu hätten wir bestimmt auch nicht abgelehnt, wenn sie uns denn offeriert worden wäre. Die Sesambällchen munden vor allem nach Sesam, die Feigenfüllung lässt sich aber geschmacklich leider nur erahnen. Unterdessen sind wir als fleißige Tester am unteren Ende der Speisekarte angelangt. Doch wir stehen noch mal auf und fangen wieder von oben an. So oft, wie eben reinpasst.

Sara Maria Manzo – China (Rang 4)

quelle: journal Frankfurt Führer – Frankfurt geht aus 2008 Seite 256f